Saxo Bank Marktausblick: Der Schatten des Brexit

Saxo Bank Marktausblick: Der Schatten des Brexit

Unsicherheit ragt drohend über dem dritten Quartal 2016 und darüber hinaus, doch das muss nicht unbedingt negativ sein. Wenn diese Unsicherheit durch Reformen und Verbesserungen aufgefangen wird, könnten sich die gesamten derzeitigen Risiken im Nachhinein als Vorboten positiver Veränderungen entpuppen.

Die auf Multi-Asset-Anlagen spezialisierte Investmentbank Saxo Bank, hat heute den vierteljährlichen Ausblick zu globalen Märkten und wichtigen Handelsideen für das dritte Quartal 2016 veröffentlicht.

Der Sommer der Unzufriedenheit ist angebrochen. Unsicherheit regiert in Europa, der Schuldenzyklus hat seinen Höhepunkt erreicht und der Gesellschaftsvertrag wird angesichts der starken Abneigung der Wähler gegen das elitäre politische System neu gestaltet. Der Handel an den Märkten in Q3 wird sich um drei Aspekte drehen: höhere Volatilität umschiffen, Auswirkungen der populistischen Stimmung auf die soziale Ausrichtung erkennen und akzeptieren, dass die Weltwirtschaft (auch die Wirtschaft in den USA) wieder einmal mit der Rezession tändelt.

Steen Jakobsen, Chefökonom und CIO der Saxo Bank, erläutert: „Persönlich mache ich mir keine allzu große Sorgen wegen des Brexit. In früheren Krisen habe ich gelernt, dass solche Ereignisse häufig zu handfesten Änderungen und manchmal sogar zu echten Reformen führen. Nach der Krise 1992 mit dem europäischen Wechselkursmechanismus sind das Wachstum und die Beschäftigung in Großbritannien sprunghaft angestiegen."

Er ergänzt: „Die gute Nachricht ist: In den nächsten sechs bis zwölf Monaten werden wir ein Umschwenken hin zum dringend nötigen Mandat für Veränderungen feststellen. Die schlechte Nachricht: Das geht nur mit noch höherer Volatilität und noch stärkerer Unsicherheit."

Vor diesem Hintergrund liefert die Saxo Bank den folgenden Ausblick für die Hauptanlageklassen im dritten Quartal:

EU-Makro – Spaltung durch Flüchtlingskrise „Wir waren immer der Meinung, dass Europa sich in Krisenzeiten vorwärtsbewegt. Angesichts der zaghaften EU-Reformen der vergangenen Jahre hat sich dieser Eindruck leider in Wohlgefallen aufgelöst." Christopher Dembik, Volkswirt bei der Saxo Bank

Die Einwanderung ist das größte Risiko für die Europäische Union seit der Staatsschuldenkrise – und auch das Risiko, das am stärksten übersehen wird. So erscheint das Post-Brexit-Europa stärker gespalten als je zuvor. Die mangelhafte Einwanderungspolitik und die Wirtschaftsflaute haben in ganz Kontinentaleuropa einen wachsenden Protest gegen die Elite ausgelöst. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Österreich, die fast ein ultrarechter Kandidat für sich entscheiden konnte und das unerwartete Resultat des britischen Referendums sind zwei deutliche Warnsignale an Brüssel: Eine Lösung muss her, die die Randgruppen mit der Mitte vereinigt und den zaghaften Reförmchen der Blockparteien in den letzten Jahren ein Ende macht.​

Forex – potenziell scheußlich

Das Schreckgespenst der Brexit-Abstimmung wird angesichts der anhaltenden Schwäche des Pfund Sterling im Kielwasser des Referendums (die jedoch vermutlich bald an Schwung verlieren dürfte) noch lange eine große Rolle spielen. Dennoch prognostizieren wir, dass der EUR/GBP-Wechselkurs im dritten Quartal vor anderen wichtigen GBP-Wechselkurspaaren im Zusammenhang mit den längerfristigen Fragen für Europa einen Spitzenwert erreichen wird, nachdem das Pfund Sterling schwere Einbußen hinnehmen musste. Was die Marktstimmung vielleicht noch stärker belastet: Auch die Fed scheint eher keine Unterstützung zu planen, die über ihre derzeitige Untätigkeit hinausgeht, und man ist wohl der Meinung, dass die Geldpolitik keine Antwort auf die neue Rezessionsgefahr ist. Kurz, der US-Dollar erscheint einmal mehr als sicherster Hafen für die kommenden Monate.

Anleihen – niedrige Erträge, lange Laufzeit Nach dem Brexit-Votum fielen die globalen Erträge auf ein neues Allzeittief, und nachdem sich die US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen endgültig der Gemäßigtheit ergeben hat, werden im Konsens sehr niedrige Erträge für sehr lange Zeit erwartet. Und doch gibt es hinter den düsteren Wirtschaftsschlagzeilen kleine Hoffnungsschimmer, dass sich die Stimmung in vielen Teilen der Wirtschaft wieder bessert. Einige wichtige Risikofaktoren, die die Märkte in den letzten sechs Monaten in Atem hielten, haben sich entweder totgelaufen oder sind mittlerweile weitgehend irrelevant. Die Ängste im Hinblick auf die Instabilität der Schwellenmärkte sind zurückgegangen und die EZB zieht die Aufhebung der quantitativen Lockerung in Betracht. Für den wahrscheinlichen Fall einer allmählichen Verbesserung der Weltwirtschaftsaussichten erwarten wir einen raschen Anstieg der Kernerträge (insbesondere der europäischen Kernerträge).

Aktien – ein entscheidendes Kapitel

Auf der Grundlage des gegenwärtigen Weltwirtschaftsverlaufs sehen wir Aktien im dritten Quartal eher negativ. Unter den am stärksten betroffenen Sektoren werden europäische Banken infolge der negativen Zinssätze weiter unter mangelnder Zuversicht und erneuter genauer Überprüfung der Nettozinsspanne leiden, während auch britische Aktien eine niedrigere Bewertung erhalten – was den Druck auf den FTSE 100 erhöht. Das Brexit-Votum ist ein schwerer Schlag für das Finanzsystem, sodass die Zuversicht bei Unternehmen und Verbrauchern unter Umständen so stark schwindet, dass die Weltwirtschaft im vierten Quartal an den Rand des Stillstands gedrängt werden könnte. Aus diesem Grund betrachten wir die kommenden Monate als wichtigsten Zeitraum seit der Eurokrise 2012.

Rohstoffe – neuer Auftrieb

Das zweite Quartal hat sich gegen die Trends seit 2014 behauptet, und dieses Jahr war keine Ausnahme, nachdem eine von Öl und Gold angeführte Hausse den gesamten Rohstoffkomplex angehoben hat. An der Schwelle zum dritten Quartal werden die Wachstumsperspektiven in einigen großen Wirtschaften (z. B. USA und China) weiterhin in Frage gestellt und die Probleme in Europa könnten einen Dominoeffekt am Weltmarkt auslösen. Diese Tatsachen lassen uns zusammen mit der Unsicherheit durch das Brexit-Votum und dem Potenzial einer weiteren Stärkung des USD für dieses Quartal ein begrenztes Aufwärtspotenzial oberhalb von 50 USD pro Barrel Rohöl erwarten. Dieselbe Unsicherheit hat kürzlich den Goldkurs als Fluchtwert ansteigen lassen, und wir sind weiterhin positiv eingestellt; hiermit erhöhen wir unsere Prognose für das Jahresende auf 1.350 pro Feinunze.​

Im Anhang und unter dem folgenden Link finden Sie sämtliche Handelsideen der Analytiker der Saxo Bank zu den „Essential Trades" für Q3 2016: http://storage.saxobank.com/TradingFloor/EssentialTrades-Q3-2016.pdf

Pressekontakt​

Steffen Wegner Mortensen, Public Affairs and PR Officer

+45 30 65 43 00