Saxo Bank wagt „10 provokante Vorhersagen“ für 2012

Zollikon-Die Saxo Bank, Spezialist für Online‐Trading und Investment, veröffentlicht ihre jährlichen „10 Outrageous Predictions“, also denkbare Szenarien, Ereignisse oder Entwicklungen, die im kommenden Jahr eintreten könnten. Dazu gehören zum Beispiel die Verstaatlichung von 50 europäischen Banken, der Einbruch der Apple‐Aktie um 50 Prozent oder die Verdopplung des Weizenpreises.
 
Bei ihren Outrageous Predictions konzentriert sich die Saxo Bank auf Ereignisse, die mit scheinbar geringer Wahrscheinlichkeit eintreten, gleichzeitig aber weitaus weniger abwegig sind, als gemeinhin gedacht. Es sind keine Prognosen im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr geht es darum, Anleger auch für bislang undenkbare Szenarien zu sensibilisieren.
 
Hierzu Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank:
„Mit unseren Outrageous Predictions möchten wir Anleger dazu bringen, über den Tellerrand zu blicken und sich auf unerwartete Ereignisse vorzubereiten. Es ist nie schön, sich mit Worst‐Case‐Szenarien zu befassen. Aber noch schlimmer ist es doch, wenn uns der schlimmste Fall dann
unvorbereitet trifft.“
 
Und er ergänzt: „Sollten wir mit einigen der Vorhersagen Recht behalten, dann wird dies zu gewaltigen Veränderungen in 2012 führen. Ehrlich gesagt hoffen wir natürlich, dass wir mit unseren negativen Einschätzungen falsch liegen. Doch auch wenn es nicht so schlimm kommt, bleibt zu
hoffen, dass Regierungen und Zentralbanken mehr Vernunft walten lassen als in den letzten Monaten.“
 
Hier die „10 Outrageous Predictions“ der Saxo Bank für 2012:
 
1. Die Apple‐Aktie bricht um 50 Prozent ein gegenüber ihrem Höchststand von 2011
Bei seinen innovativsten Produkten, dem iPhone und dem iPad, bekommt Apple in 2012 den Druck zahlreicher Konkurrenten wie Google, Amazon, Microsoft/Nokia und Samsung zu spüren und schafft es nicht, seine iOS‐ und iPad‐Marktanteile von 55 Prozent (dreimal so groß wie der von Android)bzw. 66 Prozent zu halten.
 
2. EU beschließt Urlaubswoche für Europas Finanzmärkte
Die im Dezember beschlossenen Änderungen am EU‐Vertrag erweisen sich als unzureichend, um die Finanzierungsprobleme der Eurozone – insbesondere die Italiens – zu lösen. Daher schlägt die EUSchuldenkrise bis Mitte des Jahres mit voller Wucht zurück. Der Aktienmarkt bricht binnen kurzer Zeit um 25 Prozent ein, was die EU‐Politiker dazu veranlassen wird, alle Börsen und Banken in Europa für eine Woche oder länger zu schließen.
 
3. Ein bisher nicht angekündigter Kandidat erobert das Weiße Haus
1992 schaffte es der texanische Milliardär Ross Perot, ein wirtschaftlich geschwächtes Umfeld und politische Unzufriedenheit in der US‐Bevölkerung auszunutzen, um bei den Präsidentschaftswahlen 18,9 Prozent der Stimmen zu erringen. Drei Jahre mit Barack Obama an der Spitze haben zu wenig
Veränderung gebracht und stattdessen zu weiteren Enttäuschungen über das politische System in den USA geführt. Daher sind die Bedingungen für einen dritten Präsidentschaftskandidaten besser als niemals zuvor. Anfang 2012 stellt sich ein Kandidat zur Wahl, dessen überzeugendes Programm
echte Veränderungen verspricht. Im November wird er in einer der wichtigsten Wahlen in der USGeschichte mit insgesamt 38 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt.
 
4. Australien rutscht in die Rezession
Die Schwäche der Wirtschaftsmacht China treibt andere Länder im Asien‐Pazifikraum in die Rezession. Wenn ein Land vom Wohl der Chinesen abhängt, dann ist es Australien, das sehr stark von Bergbau‐ und Rohstoffressourcen lebt. Da Chinas Nachfrage nach diesen Gütern sinkt, erleidet
Australien einen Wirtschaftseinbruch. Verschärft wird die Situation durch den Crash am Häusermarkt , der mit einem halben Jahrzehnt Verzögerung nun auch in Australien eintritt.
 
5. Basel III und Regulierungseingriffe erzwingen die Verstaatlichung von 50 Banken in Europa
Anfang 2012 wird der Druck auf das europäische Bankensystem zunehmen, da strengere Kapitalanforderungen und Regulierungsmaßnahmen die Geldinstitute zu einem raschen Schuldenabbau zwingen. Angesichts nur weniger Interessenten im Markt kommt es dabei zu einem Ausverkauf von Finanzaktiva. Der europäische Interbankenmarkt schwindet und löst einen Run auf Banken aus, da Sparer den Einlagegarantien insolventer Staaten misstrauen. Mehr als 50 Geldhäuser landen auf staatlichen Bilanzen, andere wiederum verschwinden ganz.
 
6. Schweden und Norwegen werden die neue Schweiz
Das Beispiel der Schweiz zeigt: „Sicherer Hafen“ zu sein in einer Zeit, in der die Notenbanken weltweit inflationäre Geldpolitik betreiben, hat für die Wirtschaft eines Landes auch beträchtliche Risiken. Zwar ist der Kapitalmarkt in Schweden und Norwegen deutlich kleiner als der der Schweiz;
da aber die Schweizer ihre Währung zurzeit aggressiv abwerten, suchen Vermögensverwalter nach neuen sicheren Häfen für ihr Kapital. Der Zustrom in „sichere“ schwedische und norwegische Staatsanleihen nimmt derart zu, dass die zehnjährige Rendite dieser Papiere um mehr als 100
Basispunkte unter die des klassischen sicheren Hafens, deutsche Bundesanleihen, sinkt.
 
7. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gewinnt und katapultiert EUR/CHF auf 1,50
Die Hartnäckigkeit der Schweizer Notenbank im Kampf gegen die Aufwertung des Franken wird sich im nächsten Jahr weiter auszahlen. Da die Schweizer Fundamentaldaten – insbesondere die exportbezogenen – 2012 nach wie vor massiv unter der vergangenen Franken‐Stärke leiden, setzen Notenbank und Regierung ihre Anstrengungen fort, um weitere Kollateralschäden zu verhindern.
Neben der Verlängerung bestehender Programme werden sogar negative Zinsen in Kauf genommen,
um eine ausreichend große Kapitalflucht aus dem traditionellen sicheren Hafen Schweiz auszulösen und dabei den Euro‐Franken‐Kurs im Jahresverlauf bis auf 1,50 zu katapultieren.
 
8. USD/CNY legt um 10 Prozent auf 7,00 zu
Weil die ohnehin schon schmalen Renditen aus dem Bau von Geistermillionenstädten schwinden und die Exportwirtschaft aufgrund des steigenden Renminbi mit hauchdünnen Margen zu kämpfen hat, gerät China mit nur noch fünf bis sechs Prozent BIP‐Wachstum an den Rand einer „Rezession“.
Die politischen Verantwortlichen im Reich der Mitte eilen den Exporteuren zu Hilfe und lassen eine Abwertung des CNY gegenüber dem US‐Dollar zu. Letzterer profitiert angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Verlangsamung und der anhaltenden Staatsschuldenkrise in der Eurozone von
seinem Status als sicherer Hafen. Am Ende zieht das Währungspaar um 10 Prozent auf bis zu 7,00 an.
 
9. Der Baltic Dry Index steigt um 100 Prozent
Niedrigere Ölpreise könnten 2012 zu einem Anstieg des Baltic Dry Index führen, da die Betriebskosten sinken. Brasilien und Australien dürften ihr Eisenerzangebot ausweiten. Dies führt im Weiteren zu Preisrückgängen und somit zu einer höheren Importnachfrage aus China, das die
unersättliche Maschinerie seiner Industrieproduktion in Gang halten muss. Im Verbund mit einer lockereren Geldpolitik schießt die Nachfrage nach Eisenerz schließlich gewaltig in die Höhe.
 
10. Die Weizenpreise verdoppeln sich 2012
Von allen Getreidearten hat sich Weizen 2011 am schlechtesten entwickelt. 2012 wird sich der Preis für an der CBOT gehandelten Weizen verdoppeln. Weltweit gilt es sieben Milliarden Menschen zu versorgen, und die Gelddruckmaschinen laufen auf Hochtouren. Unglücklicherweise wird das schlechte Wetter in Teilen der Welt zurückkehren und 2012 damit zu einem schwierigen Jahr für Agrarprodukte machen. Insbesondere Weizen verzeichnet eine kräftige Rally, weil Spekulanten, die eine der bisher größten Short‐Positionen aufgebaut hatten, den Preis nun wieder in Richtung seines letzten Rekordhochs von 2008 treiben.